Die Zeichen des Tierkreises sind das Familienwappen der Menschheit.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Zweiter Band. Kapitel 6. Zur Philosophie und Wissenschaft der Natur
Ist doch Geist und Verstand an den Tag legen nur eine indirekte Art, allen anderen ihre Unfähigkeit und Stumpfsinn vorzuwerfen.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 5: Paränesen und Maximen
Das Genie ist unter den andern Köpfen, was unter den Edelsteinen der Karfunkel: Er strahlt eigenes Licht aus, während die andern nur das empfangene reflektieren.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Zweiter Band. Kapitel 3. Den Intellekt überhaupt und in jeder Beziehung betreffende Gedanken
Was geschehen kann, zu überblicken, erfordert Verstand, was geschehen ist, bloß Sinne.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 5: Paränesen und Maximen
Alle Beschränkung beglückt.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 5: Paränesen und Maximen
Der bis zur Vorrede, die ihn abweist, gelangte Leser hat das Buch für bares Geld gekauft und fragt, was ihn schadlos hält? – Meine letzte Zuflucht ist jetzt, ihn zu erinnern, daß er ein Buch, auch ohne es gerade zu lesen, doch auf mancherlei Art zu benutzen weiß. Es kann, so gut wie viele andere, eine Lücke seiner Bibliothek ausfüllen, wo es sich, sauber gebunden, gewiss gut ausnehmen wird. Oder auch er kann es seiner gelehrten Freundin auf die Toilette, oder den Teetisch legen.
Quelle: Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 1819
(mehrfach ergänzt, seit 1844 in zwei Bänden). Vorrede zur ersten Auflage
Vorhandenes Vermögen soll man betrachten als eine Schutzmauer gegen die vielen möglichen Übel und Unfälle; nicht als eine Erlaubnis oder gar Verpflichtung, die Plaisiers der Welt heranzuschaffen.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 3: Von dem, was einer hat
Wie man das Gewicht seines eigenen Körpers trägt, ohne es, wie doch das jedes fremden, den man bewegen will, zu fühlen; so bemerkt man nicht die eigenen Fehler und Laster, sondern nur die der andern.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 5: Paränesen und Maximen
Wie unser Leib in die Gewänder, so ist unser Geist in Lügen verhüllt. Unser Reden, Tun, unser ganzes Wesen ist lügenhaft; und erst durch diese Hülle hindurch kann man bisweilen unsere wahren Gesinnungen erraten, wie durch die Gewänder hindurch die Gestalt des Leibes.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 5: Paränesen und Maximen
Man kann auch die Gesellschaft einem Feuer vergleichen, an welchem der Kluge sich in gehöriger Entfernung wärmt, nicht aber hineingreift, wie der Tor, der dann, nachdem er sich verbrannt hat, in die Kälte der Einsamkeit flieht und jammert, daß das Feuer brennt.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 5: Paränesen und Maximen
Aber mehr noch, als jeder andere, soll der Philosoph aus jener Urquelle, der anschauenden Erkenntnis, schöpfen und daher stets die Dinge selbst, die Natur, die Welt, das Leben ins Auge fassen, sie, und nicht die Bücher, zum Texte seiner Gedanken machen, auch stets an ihnen alle fertig überkommenen Begriffe prüfen und kontrollieren, die Bücher also nicht als Quellen der Erkenntnis, sondern nur als Beihilfe benutzen.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Zweiter Band. Kapitel 3. Den Intellekt überhaupt und in jeder Beziehung betreffende Gedanken
So unausbleiblich wie die Katze spinnt, wenn man sie streichelt, malt süße Wonne sich auf das Gesicht des Menschen, den man lobt.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 4: Von dem, was einer vorstellt
Man sollte beständig die Wirkung der Zeit und die Wandelbarkeit der Dinge vor Augen haben und daher bei allem, was jetzt stattfindet, sofort das Gegenteil davon imaginieren.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 5: Paränesen und Maximen
Aber das Leben ist kurz und die Wahrheit wirkt ferne und lebt lange: sagen wir die Wahrheit.
Quelle: Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 1819
(mehrfach ergänzt, seit 1844 in zwei Bänden). Vorrede zur ersten Auflage
Das Leben der Pflanzen geht auf im bloßen Dasein: demnach ist sein Genuß ein rein und absolut subjektives, dumpfes Behagen.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Zweiter Band. Kapitel 3. Den Intellekt überhaupt und in jeder Beziehung betreffende Gedanken
Das Leidende und Geschwächte ist keiner Abhärtung fähig.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 5: Paränesen und Maximen
Die ersten vierzig Jahre unseres Lebens liefern den Text, die folgenden dreißig den Kommentar dazu, der uns den wahren Sinn und Zusammenhang des Textes, nebst der Moral und allen Feinheiten desselben, erst recht verstehen lehrt.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 6: Vom Unterschiede der Lebensalter
Alle Dummheit leidet am Überdruss ihrer selbst.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 5: Paränesen und Maximen
Der Morgen ist die Jugend des Tages: Alles ist heiter, frisch und leicht: wir fühlen uns kräftig und haben alle unsere Fähigkeiten zu völliger Disposition. Man soll ihn nicht durch spätes Aufstehen verkürzen, noch auch an unwürdige Beschäftigungen oder Gespräche verschwenden, sondern ihn als die Quintessenz des Lebens betrachten und gewissermaßen heilig halten.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 5: Paränesen und Maximen
Ja, sogar muss, wer das Gute und Rechte hervorbringen und das Schlechte vermeiden soll, dem Urteile der Menge und ihrer Wortführer Trotz bieten, mithin sie verachten.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 4: Von dem, was einer vorstellt
Die Vulgarität besteht im Grunde darin, daß im Bewußtsein das Wollen das Erkennen gänzlich überwiegt.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 2: Von dem, was einer ist
Bei manchem ist es am klügsten zu denken: «Ändern werde ich ihn nicht; also will ich ihn benutzen.»
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 5: Paränesen und Maximen
Dies also ist der Wucher der Zeit; seine Opfer werden alle, die nicht warten können.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 5: Paränesen und Maximen
Hingegen ist Heiterkeit unmittelbarer Gewinn. Sie allein ist gleichsam die bare Münze des Glückes und nicht wie alles andere, bloß der Bankzettel; weil nur sie unmittelbar in der Gegenwart beglückt.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 2: Von dem, was einer ist
Auch wird man einsehen, daß, Dummköpfen und Narren gegenüber, es nur einen Weg gibt, seinen Verstand an den Tag zu legen, und der ist, daß man mit ihnen nicht redet.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 5: Paränesen und Maximen
Nichts aber wird uns zum gelassenen Ertragen der uns treffenden Unglücksfälle besser befähigen, als die Überzeugung von der Wahrheit.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 5: Paränesen und Maximen
Zum Glücke der Kindheit trägt endlich noch folgendes bei: Wie im Anfange des Frühlings alles Laub die gleiche Farbe und fast die gleiche Gestalt hat; so sind auch wir in früher Kindheit alle einander ähnlich, harmonieren daher vortrefflich. Aber mit der Pubertät fängt die Divergenz an und wird, wie die der Radien eines Zirkels, immer größer.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 6: Vom Unterschiede der Lebensalter
Der Ursprung alles Krieges aber ist Diebsgelüst.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Zweiter Band. Kapitel 19. Zur Metaphysik des Schönen und Ästhetik
Daher also, daher, aus dem Orkus kommt alles, und dort ist schon jedes gewesen, das jetzt Leben hat: – wären wir nur fähig, den Taschenspielerstreich zu begreifen, vermöge dessen das geschieht; dann wäre alles klar.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 6: Vom Unterschiede der Lebensalter
Viele leben zu sehr in der Gegenwart; die Leichtsinnigen. Andere zu sehr in der Zukunft: die Ängstlichen und Besorglichen. Selten wird einer genau das rechte Maß halten.
Quelle: Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (2 Bände), 1851. Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 5: Paränesen und Maximen
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